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Nierentransplantation

Die Transplantation stellt durch ein neues Organ die Funktion der Niere wieder her. Einige Aspekte, welche in der Prä- und der frühen und späten Posttransplantationsernährung sowie der Langzeiternährung beachtet werden sollen, sind hier beschrieben 1.

Der Nährstoffbedarf muss individuell an den metabolischen Zustand angepasst werden.

Ziele der Ernährungstherapie:

  • Aufrechterhaltung oder Verbesserung des Ernährungszustandes
  • Vermeidung von Mangelernährung, Übergewicht oder von Nährstoffdefiziten
  • Suppression der Nebenwirkungen der Steroidtherapie durch vielseitige und abwechslungsreiche Ernährung

Der Energie- und Proteinbedarf sollte, wenn immer möglich mit oraler Ernährung gedeckt werden. Falls mit Anreicherung, Zwischenmahlzeiten oder Trinknahrungen weniger als 75% des Bedarfs gedeckt werden, sollte auf enterale Ernährung als Ergänzung eskaliert werden. Eine komplementäre parenterale Ernährung ist indiziert, wenn weniger als 75% des Bedarfes durch orale und/oder enterale Ernährung gedeckt wird.  

Patienten dieser Gruppe sind metabolisch und ernährungstherapeutisch sehr heterogen und komplex. Daher können nur generelle Empfehlungen gegeben werden 2.

Prä-Transplantation

In der Ernährungstherapie vor der Nierentransplantation ist das primäre Ziel eine schwere Malnutrition zu beheben und Volumenüberladung und Elektrolytentgleisung zu verhindern. Risikofaktoren für Komplikationen, wie unkontrollierter Diabetes mellitus, Übergewicht, Rauchen, starke Dyslipidämie und Bluthochdruck, sollten sorgfältig korrigiert und therapiert werden. Bei übergewichtigen Patienten sollte der BMI nicht höher als 35 kg/m2 sein. Assessment des Kalzium-, Phosphat-, Nebenschilddrüsenhormon-, Knochenstatus und des Kalziumsalzes und Vitamin D Spiegels sollte durchgeführt werden. Durch eine ausreichende Mikronährstoffversorgung kann das Infektionsrisiko reduziert, die Wundheilung verbessert und die Muskelmasse besser erhalten werden 3, 4.

Transplantation

Während der Transplantation sollen milde wie auch starken Überhydrierung unbedingt verhindert werden, da sonst häufig Flüssigkeitsretentionen auftreten. Eine strikte Kontrolle der Elektrolyten, wie Kalium, Phosphat und Magnesium, und des Säure-Basen Gleichgewichts ist unerlässlich. Die nach der Operation verabreichten Kortikosteroide erhöhen den Proteinkatabolismus. Zusätzlich tritt auch in nicht-diabetischen Patienten oft eine Hyperglykämie auf. Eine strikte Kontrolle der Glukosekonzentration kann das Risiko auf Post-Transplantation-Diabetes Mellitus verringern. Weiter kann sich im Zusammenhang mit Immunsuppressiva eine Hypophosphatämie oder Hypomagnesiämie entwickeln.

Frühe Post-Transplantationsphase

Das chirurgische Trauma bei einer Nierentransplantation wird als mild eingestuft. Die Darmfunktion ist meist schnell wiederhergestellt und eine künstliche Ernährung im Normalfall nicht nötig. Mildes chirurgisches Trauma, Mangelernährung, hochdosierte Steroidtherapie und potentielle Verzögerungen in der Nierenfunktionswiederherstellung machen transplantierte urämische Patienten anfällig für ein Protein-Energy Wasting. Hohe Proteineinnahme (ca. 1.3 g/kg Körpergewicht) und körperliche Aktivität können vor allem bei hohen Steroidhormondosen die Protein- und Energieverluste lindern 3, 5. Einige Patienten benötigen eine Hämodialyse aufgrund einer verzögerten Transplantatfunktion. Der Mikro- und Makronährstoffbedarf dieser Patienten gleicht häufig noch denjenigen von akuten Nierenversagen Patienten 4.

Späte Post-Transplantationsphase

Je nach Grunderkrankung treten unterschiedlich starke Komplikationen, wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit verbundene metabolische Folgen, nach einer Nierentransplantation auf. Enge Überwachung der metabolischen Entwicklungen ist notwendig und individuelle therapeutische Massnahmen spezifisch auf folgende häufige Komplikation müssen umgesetzt werden:

  • Stadium der Niereninsuffizienz, häufig 3-4 (KDIGO)
  • Glukoseintoleranz Beeinträchtigung oder Diabetes Mellitus
  • Gewichtszunahme, Übergewicht oder metabolisches Syndrom
  • Anhaltender Bluthochdruck
  • Renaler Phosphatverlust bei vorbestehendem Hyperparathyroidismus, "Hungry Bone", Mineral Bode Disease.
  • Anhaltende metabolische Azidose
  • Dyslipidämie: Charakterisiert durch hohe Total- und LDL-Cholesterinwerte 3. Ursachen dafür sind Steroide, Nierenfunktionsstörung, Proteinurie, Cyclosporin, erhöhtes Körpergewicht und unangemessene Nahrungsaufnahme 6.
  • Anhaltende Anämie
  • Anhaltender Protein Katabolismus

Die Ernährungsempfehlungen für Nierentransplantationspatienten, welche erneut in das Spital eintreten aufgrund akuter Erkrankung sollen wie Patienten mit akutem Nierenversagen behandelt werden (Link Kapitel Akute Nierenschädigung oder chronische Niereninsuffizienz mit akuter Erkrankung).

  • Vermeidung von Lebensmittelinteraktionen mit Immunosuppresiva (z.B. Grapefruit, Granatapfel, Pomelo, Sternfrucht, Johanniskraut).
  • Bei intravenösem Cyclosporin scheint eine Wechselwirkung zwischen dem Lösungsvermittler und dem Lipidstoffwechsel möglich 4.

Siehe Ernährungstherapeutische Massnahmen der entsprechenden Periode oben.

  1. Teplan, V., et al., Nutritional consequences of renal transplantation. J Ren Nutr, 2009. 19(1): p. 95-100.
  2. Phillips, S. and R. Heuberger, Metabolic disorders following kidney transplantation. J Ren Nutr, 2012. 22(5): p. 451-60.e1.
  3. Toigo, G., et al., Expert working group report on nutrition in adult patients with renal insufficiency (Part 2 of 2). Clin Nutr, 2000. 19(4): p. 281-91.
  4. Sobotka, L., BASICS IN CLINICAL NUTRITION. 2020, [S.l.]: GALEN.
  5. Horber, F.F., et al., Thigh muscle mass and function in patients treated with glucocorticoids. Eur J Clin Invest, 1985. 15(6): p. 302-7.
  6. Teplan, V., et al., Age and changes in dietary habits affect hyperlipoproteinemia after kidney transplantation. Cas Lek Cesk, 1999. 138(4): p. 111-5.

Information NutriGo

Anwendungsorientierte praktische Empfehlungen für die Ernährungstherapie in verschiedenen klinischen Situationen basierend auf aktuellen Richtlinien

Die Behandlung einer Mangelernährung ist ein zentraler Bestandteil in der intial- und fortführenden Therapie von Spitalpatientinnen und -patienten, um die Körperfunktion und Lebensqualität zu erhalten/verbessern und das Komplikationsrisiko bis zur Mortalität zu reduzieren. Die Therapie sollte der zugrundeliegenden Krankheit angepasst werden. NutriGo fasst die Behandlungsstrategien für verschiedene klinische Situationen zusammen und gibt praktische Hinweise zur Umsetzung.

Die Empfehlungen basieren auf den anerkannten aktuellen Richtlinien der jeweiligen klinischen Situation. Durch Eingabe des Körpergewichtes der Patientinnen und Patienten kann der Mikro- und Makronährstoffbedarf anhand einer einfachen Multiplikation berechnet werden, falls der Bedarf in den entsprechenden Richtlinien präzisiert ist. Zusätzliche Anpassungen sind erforderlich für Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten BMI (>28 kg/m2), Aszites, Untergewicht, erhöhtem Alter und gesteigerter/reduzierter körperlicher Aktivität.

Abkürzungsverzeichnis

BMI  Body Mass Index