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Störung des Ernährungs­zustandes

Schwere der Erkrankung

Alter

Evidenz-basiertes Mangelernährungs-Management

Mangelernährung

Gemessen anhand des NRS sind 20 – 30% der hospitalisierten, medizinischen Patientinnen und Patienten mangelernährt oder weisen ein erhöhtes Risiko für eine Energie- und Proteinmangelernährung auf.1–2 Mangelernährte Patientinnen und Patien­ten zeigen im Vergleich zu Nicht-Mangelernährten eine höhere Kom­plikations­rate, eine längere Dauer des Spitalaufenthalts, eine schlechtere Lebens­qualität und eine erhöhte Mortalität.3 Die Mangelernährung ist häufig eine Folge von anderen medizinischen Krankheiten, kann aber gezielt therapiert werden. Der hier vorgestellte Therapiealgorithmus basiert auf den ESPEN Guidelines für polymorbide, internistische Patientinnen und Patienten sowie der EFFORT-Studie.4–5

Ziele im Mangelernährungs-Management

Bessere Früherkennung der Patientinnen und Patienten mit Mangelernährungsrisiko und Beginn einer entsprechenden individuellen Therapie zur Ver­besser­ung/Erhaltung der Funktionalität und der Lebensqualität sowie einer deutlichen Reduktion von Komplikationen und der Mortalität. Mangelernährungs-Management ist ein Team-Effort und kann nur in guter Zusammenarbeit zwischen Pflege, Ernährungsberatung/-therapie (ERB) und Ärzteschaft erfolgen.

Ernährungsrechner

Mit dem vorliegenden Ernährungsrechner können die individiuellen Ernährungsziele einfach online berechnet werden. Die ausgebenen Resultate basieren auf den bei der EFFORT-Studie verwendeten Formeln.

  • Energiebedarf: GU x (AF + KF – 1); GU nach Harris Benedict mit adjustiertem Gewicht.
  • Proteinbedarf: 1.2 - 1.5 g pro kg Körpergewicht 0.8 g bei schwerer Niereninsuffizienz ohne Dialyse (GFR < 30 ml/min/1.73 m2)

Effort-Studie belegt klinischen Nutzen 5

Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte und im April 2019 im Lancet publizierte Effort-Studie zeigt deutlich den Nutzen einer adäquaten, individuellen Ernährungstherapie:

  • Die Energie- und Proteinbilanz verbessert sich wesentlich, was sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt.
  • Ein konsequentes Mangelernährungs-Management vermindert das Risiko für Komplikationen und Sterblichkeit.
  • Verbessert die Lebensqualität und führt zu weniger funktionellen Einbussen.
  • Diese Resultate gelten generell für Patientinnen und Patienten der Inneren Medizin, unabhängig davon, welches Organ betroffen ist.

Quellenverzeichnis

  1. Kondrup J, et al. Nutritional risk screening (NRS 2002): a new method based on an analysis of controlled clinical trials. Clin Nutr. 2003;22(3):321-36.
  2. Imoberdorf R, et al. Prevalence of undernutrition on admission to Swiss hospitals. Clin Nutr 2010; 29: 38–41.
  3. Felder S, et al. Association of nutritional risk and adverse medical outcomes across different medical inpatient populations. Nutrition 2015; 31: 1385–93.
  4. Gomes F, et al. ESPEN guidelines on nutritional support for polymorbid internal medicine patients. Clin Nutr. 2018;37(1):336-53.
  5. Schuetz P, et al. Individualised nutritional support in medical inpatients at nutritional risk: a randomised clinical trial. Lancet 2019; 393(10188), 2312-2321

Abkürzungsverzeichnis

AF Aktivitätsfaktor
EFFORT Effect of Early Nutritional Therapy on Frailty, Functional Outcomes and Recovery of Undernourished Medical Inpatients Trial
ERB Ernährungsberatung/-therapie
GFR Glomeruläre Filtrationsrate
GU Grundumsatz
KF Krankheitsfaktor
NRS Nutritional Risk Screening